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Jun 22

Gefahrguttransporte mit NETVERSYS

von Carsten Sändtker | 22.06.2020
netversys  

Gefahrguttransporte mit NETVERSYS

Beim Transport von Gefahrgütern ergeben sich neue Anforderungen, durch die verschiedene Fragen an den bestehenden Prozess auftauchen:

  • Welche Verpackung soll verwendet werden?
  • Wie wird der Frachtführer informiert?
  • Wie das Gefahrgut angemeldet?

Was den Transport von Gefahrgütern noch ausmacht und wie NETVERSYS mit dem Thema umgeht, erfahren Sie im vorliegenden Blogeintrag.

Um das Gefahrenpotential zu minimieren gibt es das rechtsgültige Europäische Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR). Im ADR sind Vorschriften gesammelt, um den Transport von Gefahrgütern zu regeln. Die häufigsten Fragen bezüglich des Gefahrgutversands werden in der folgenden Übersicht beantwortet:

BAM-Gefahrgutdaten

Die im ADR festgehaltenen Richtlinien sorgen für transparente Bestimmungen was den Transport von Gefahrgütern angeht. Hand in Hand mit diesen Richtlinien gehen natürlich auch die Informationen und Eigenschaften der Gefahrgüter, die versendet werden. Diese Daten teilen sich in die Kategorien „Offizielle Informationen“ und „Ergänzende Informationen“ auf. BAM

Offizielle Informationen
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat eine Tabelle mit allen bekannten Gefahrgütern verfasst, die spätestens alle 2 Jahre aktualisiert wird. Identifiziert wird jedes Gefahrgut über eine UN-Nummer, welche als eindeutiger Schlüssel dient. Die einzelnen Parameter innerhalb der Tabelle ermöglichen es, jeden Gefahrstoff zu kategorisieren.

Dies ist wichtig um die Wechselwirkung von verschiedenen Substanzen bestimmen zu können. Darüber hinaus ist es nur so möglich für jedes Gefahrgut bestimmen zu können, welche ADR-Richtlinien Relevanz haben.

Ergänzende Informationen
In dieser Hinsicht steht vor allem eine Information im Vordergrund, das Gewicht des Gefahrguts. Je nach Gefahrgut kann die Menge die verschickt wird die relevanten ADR-Richtlinien mitunter stark ändern.

Werden beide Informationsquellen kombiniert, so ergeben sich alle Informationen, die für einen erfolgreichen Transport von Gefahrgütern vorausgesetzt werden. Die Gefahrgutdaten der BAM-Gefahrguttabelle sind daher essentiell für den Versand mit Gefahrgütern.

Klein aber oho!

Generell gilt: jedes Gefahrgut muss in bauartgeprüften Verpackungen versendet werden. Davon abgesehen kann zwischen zwei grundsätzlichen Kategorien unterscheiden werden, in die jedes Gefahrgut eingeordnet wird.

Normales Gefahrgut
Sobald ein Stoff verschickt wird der durch die Gefahrguttabelle der BAM eindeutig klassifiziert werden kann, ist die Rede vom Transport eines Gefahrguts. In diesem Fall gelten bestimmte ADR Richtlinien für den Versand. Diese Regeln bestimmen vor allem, welche Verpackung zulässig ist und mit welchen anderen Gefahrgütern ein Transport erfolgen darf. Weiterhin ist geregelt, welche Sicherheitsvorkehrungen präventiv zu erfüllen sind, sowie reaktive Maßnahmen sollte eine Unfallsituation eintreten.

Als Präventive Maßnahme gilt die strenge Kontrolle der Fracht, oder aber die Kennzeichnung von Transportfahrzeugen durch Gefahrgutzettel. Muss eine reaktive Gefahreneindämmung erfolgen, so ist meist die Absicherung von Unfallorten gemeint, sowie die Verständigung der nächsten verantwortlichen Behörden.

Kleinstmengen
Je nach Stoffmenge kann es notwendig sein, dass andere Richtlinien des ADR anzuwenden sind. So unterliegen manche Gefahrgüter bestimmten Mengengrenzen, die das Gefahrgut als ungefährlich oder gefährlich einstufen können. Als Beispiel sollen Parfüms mit unterschiedlicher Größen dienen. Beide Artikel enthalten Alkohol und sind brennbar.

Limited Quantity

Allerdings hat die 5 Liter Flasche ein größeren Gefahrenpotential als eine 1 Liter Flasche. Sobald die Menge des Stoffes unter besagter Mengengrenze liegt, kann ein Gefahrgut als Kleinstmenge (Limited Quantities; LQ) eingestuft werden. Wird ein Gefahrgut als LQ verschickt, so sind die Richtlinien für den Versand gelockert.

Egal ob beim Versand ein Normales Gefahrgut oder eine Kleinstmenge vorliegt, aus Sicht des Frachtführers sind beide Versandstücke interessant. Grundsätzlich gelten für den Versand bestimmte Mengengrenzen, die eingehalten werden müssen. Je nach größe des Transportfahrzeuges variieren diese Grenzen. Im Zusammenspiel mit der Kleinstmengenregelung und der Art der verschickten Gefahrgüter wird der Transport von Gefahrgütern unterschiedlich kompliziert. Es gilt in jedem Fall zwei essentielle Punkte zu beachten.

  1. Alle transportierten Gefahrgüter müssen beim Frachtführer angemeldet werden.
  2. Dem Fahrer ist ein Dokument zu übergeben, dass alle Gefahrgüter nach einem festgelegten Schema auflistet.

Beide Punkte dienen in erster Linie dazu einen sicheren Transport gewährleisten zu können.

Der Feuerlöscher bleibt an Bord!

Die 1000 Punkte Regelung erleichtert den Transport von Gefahrgütern, sodass unter bestimmten Umständen einige der ADR Richtlinien nicht länger für den Transport gelten können. Wichtig zu erwähnen erscheint, dass ein 2Kg Feuerlöscher unbedingt im Transportfahrzeug mitgeführt werden muss. Worauf unter Umständen jedoch verzichtet werden kann, ist die Kennzeichnung eines Gefahrguttransportes am Frachtfahrzeug. Diese Annehmlichkeit wird einem zuteil, wenn die aufsummierten Punkte aller Gefahrgüter im Frachtraum unter 1000 liegt.

Berechnung der Punkte
Die Punktzahl eines Gefahrgutes ergibt sich aus der Stoffmenge, die mit dem entsprechenden Faktor des Gefahrgutes multipliziert wird. Jeder UN-Nummer ist dabei ein eindeutiger Faktor zugeordnet.

BAM

Mit dieser Berechnung kann jedem Gefahrgut gemäß seiner Beförderungsgruppe eine Punktzahl zugeordnet werden, welche anschließend aufsummiert wird. Sobald die gesamte Punktzahl über 1000 liegt, treten alle Richtlinien des ADR’s für die geladenen Gefahrgüter in Kraft. Die Unterteilung in Beförderungsgruppen ist erforderlich, da für die einzelnen Kategorien noch weitere Auflagen gelten. Gefahrgüter der Beförderungskategorie 3 unterliegen beispielsweise der höchstzulässigen Gesamtmenge von 333 Punkten. Das Prinzip bei der Regel ist simpel: je gefährlicher der Stoff, desto weniger darf auf einmal transportiert werden.

Wichtig ist zu erwähnen, dass bei der gebildeten Summe nur normale Gefahrgüter gezählt werden. Bei einem Versand als Kleinstmenge dürfen die Güter nicht mit in die Berechnung einfließen. Jedoch gibt es für LQ-Packstücke eine Masse-Obergrenze die nicht überschritten werden darf. Für eine Überschreitung muss allerdings viel Parfüm bestellt werden.

Der Gefahrgutversand mit Netversys

Wie zu Anfang erwähnt kann es schnell passieren, dass man als Unternehmen mit dem Transport von Gefahrgütern konfrontiert wird. Um in diesem Bereich eine komfortable Lösung anbieten zu können, hat sich NETVERSYS weiterentwickelt und bietet für alle relevanten Aufgaben beim Versand von Gefahrgütern eine Lösung an. Wie die anfallenden Probleme vom System gelöst werden erfahren Sie in der folgenden Übersicht.

Packstücke mit Gefahrgut

Grundlage für jeden Transport von Gefahrgütern ist ein Datenmodell, das die Möglichkeit anbietet Gefahrgüter zu erfassen. NETVERSYS nutzt die BAM Gefahrguttabelle um Sendungsposten mit den entsprechenden Gefahrgütern zu verknüpfen. Dabei übernehmen wir soviel Arbeit wie Sie möchten, denn NETVERSYS bietet zwei Möglichkeiten an Gefahrgüter zu klassifizieren.

Standardprozess
Der normale Weg um in NETVERSYS Sendungen zu bearbeiten führt über die Versandmasken. Dort wird in der Regel eine Lieferscheinnummer o.ä. eingegeben und anschließend erfolgt der Versand. Bei dieser Sorte der Versandabwicklung werden alle Sendungsinformationen aus der Datenbank oder in Echtzeit vom ERP-System geholt. In beiden Fällen können die Sendungsinformationen Positionsdaten enthalten, durch die das System Rückschluss schließen kann, welches Gefahrgut in der Sendung vorhanden ist. An dieser Stelle können die Informationen des ERP-Systems beispielsweise die UN-Nummer enthalten. Oder es ist zusätzlich die Beförderungskategorie vorhanden. Oder es gibt nur eine Kombination von Verpackungsgruppe und Gefahrgutklasse. Egal welche Informationen vorhanden sind, NETVERSYS versucht aus der Tabelle der BAM Gefahrgutdaten den passenden Kandidaten zu ermitteln. Nur wenn in diesem Schritt eine eindeutige Identifizierung erfolgt, kann der Versand abgeschlossen werden.

Manuelle Eingabe
Sollte die eindeutige Identifikation während des Standardprozesses nicht erfolgreich sein, muss das Gefahrgut händisch erfasst werden. Zu diesem Zweck wurde in allen Versandmasken die Möglichkeit eingebaut, über eine Gefahrgut-Oberfläche, manuell Gefahrgüter anzulegen.

Manuelle Gefahrguteingabe in NETVERSYS

Ein Abgleich der eingegebenen UN-Nummer ermittelt die entsprechenden Gefahrgüter. Anschließend können die entsprechenden ergänzenden Informationen eingetragen werden. Sollten mehrere Pakete in der Sendung enthalten sein, so ist es möglich, den einzelnen Paketen verschiedene Gefahrgüter zuzuordnen. Die angezeigten Gefahrgütern in der Oberfläche spiegeln die Einträge aus der BAM-Gefahrguttabelle wieder. Daher sollte diese Möglichkeit, Gefahrgüter für den Transport zu erfassen, nur von geschulten Mitarbeitern genutzt werden.

Eine Besonderheit bietet NETVERSYS mit der Unterscheidung zwischen normalem Gefahrgut und LQ Gefahrgütern an. In der Manuellen Oberfläche, sowie im Standardprozess kann seitens des Mitarbeiters oder des ERP-Systems mitgeteilt werden, worum es sich bei dem zu verschickenden Artikel handelt. Dieser Ansatz bietet Ihnen die Möglichkeit unvorhergesehene Abläufe zu vermeiden, da klar definiert ist, was als Gefahrgut zählt und was nicht. Erfolgt diese Angabe nicht durch Mitarbeiter oder ERP-System so evaluiert NETVERSYS die übergebenen Gefahrgutdaten selbstständig und entscheidet, welcher Status zutrifft. Die klare Abgrenzung zwischen normalen Gefahrgut und LQ Gefahrgütern ist besonders für das Beförderungspapier wichtig.

Beförderungspapier

Das Beförderungspapier stellt ein genormtes Dokument dar, das zwingend erforderlich für den Transport von Gefahrgütern ist. Inhalt des Dokuments sind alle normalen Gefahrgüter, die in der Fracht enthalten sind.

Beförderungspapier nach ADR

Das Beförderungspapier listet alle Gefahrgüter mit den für den Transport relevanten Informationen auf. Diese setzen sich aus der Klassifizierung der Gefahrgüter und deren ergänzenden Informationen zusammen. Abgebildet sind dabei alle Daten, die bei einem Unfall bekannt sein müssen, sodass die richtigen reaktiven Maßnahmen getroffen werden können. Ebenfalls ist für jedes Gefahrgut aufgeführt, von welchem Standort aus der Versand erfolgt und an welche Zieladresse geliefert werden soll. Dies dient einerseits der klaren Absteckung von Verantwortungsbereichen, erleichtert aber auch die Fehlersuche im Problemfall.

Es sei angemerkt, dass die Zieladresse oft nicht der Endnutzer ist, sondern ein dem Frachtführer zugeordneter Sammelpunkt/Logistikzentrum. Von diesem Sammelpunkt aus erfolgt dann der Gefahrgutversand an den Endkunden. Diese Maßnahme dient auch dazu, das Gefahrenpotential zu minimieren, da so im Logistikzentrum die Verteilung der Gefahrgüter genau gehandhabt werden kann.

Um diese Anforderung zu unterstützen können in NETVERSYS Gefahrgutkontakte angelegt werden. Diese werden als Absender beziehungsweise Empfänger verwendet. Damit ist immer sichergestellt, dass der Empfänger das angesprochene Logistikzentrum und der Sender der Lagerstandort ist. Ebenfalls befindet sich auf dem Beförderungspapier in jedem Fall die Berechnung bezüglich der 1000-Punkteregelung. Die Menge an Gefahrgütern die hierzu in die Berechnung einfließen setzt sich aus Posten zusammen, die durch NETVERSYS als normale Gefahrgüter eingestuft wurden.

Das Dokument kann über NETVERSYS generiert werden. Es gibt dabei mehrere Strategien, die sich leicht unterscheiden. Grundsätzlich besteht der Unterschied darin, welche Gefahrgüter in die Berechnung einfließen. Eine Variante nutzt Datumsgrenzen, um alle Gefahrgüter im System zu ermitteln, die innerhalb dieser Grenzen bearbeitet wurden. Der Standardvorgang stellt hingegen sicher, dass kein Gefahrgut vergessen wird. Dieser Ansatz wird händisch angestoßen und sucht unter Berücksichtigung des Frachtführers und der ausgewählten aktiven Mandanten alle Gefahrgüter, die noch nicht in einem Dokument verarbeitet wurden. Dieser Ansatz ist vor allem dann ratsam, wenn täglich ein Frachtführer die Pakete abholt.

Die Varianten können in diesem Kontext beliebig gestaltet und an kundenspezifische Anforderungen angepasst werden. Beispielsweise wäre es möglich, durch einen Warenausgangsscan festzustellen, welche Pakete mit einbezogen werden sollen. Dieser Ansatz wäre dann gut möglich, wenn die Durchflussmenge an Paketen verhältnismäßig gering ist. Sobald eine gewisse Anzahl an Paketen am Tag bearbeitet wird, kann diese Variante zu unübersichtlich werden.

Anmeldung der Gefahrgüter
Wenn ein Gefahrgut verschickt wird, muss dies dem Frachtführer rechtzeitig mitgeteilt werden. In dieser Hinsicht stehen selbstverständlich die präventiven Sicherheitsmaßnahmen im Vordergrund. Darüber hinaus muss der Frachtführer für ein eventuelles Unfallszenario informiert sein, welche Güter transportiert werden.

Die Anmeldung erfolgt mit dem Tagesabschluss. Verschiedene Frachtführer bieten zu diesem Zweck unterschiedliche Ansätze an. Für NETVERSYS ist es allerdings egal, ob jedes Paket in Echtzeit über einen Web Service angemeldet wird, oder am Ende des Tages ein Tagesabschluss erfolgt, der dem Frachtführer die Paketinformationen bereitstellt. In jedem Fall werden die Gefahrgüter, die im Datenmodell hinterlegt sind, mit abgerechnet. Das bedeutet hauptsächlich, dass das System anhand der hinterlegten Gefahrgüter in NETVERSYS die entsprechende Datenstruktur aufbaut, die der Frachtführer benötigt, um den Transport der Gefahrgüter erfolgreich durchzuführen.

Fazit
Eine Teilnahme am Transport von Gefahrgütern kann sehr schnell notwendig werden. Alle Hürden, die dabei auf den Versender zukommen, werden ebenfalls nicht geringer, wenn die Menge an verschickten Paketen in Betracht gezogen wird. Alle Probleme, die damit auftreten können den Versandprozess mitunter stark beeinflussen, wenn nicht sogar temporär zum Stillstand bringen.

Aus diesem Grund möchten wir so umfassend wie möglich über das Thema informieren, sodass ein reibungsloser und erfolgreicher Versand täglich möglich ist. NETVERSYS ist daher so konzipiert, dass Fehlerfälle schon früh erkannt und verhindert werden, damit gar nicht erst ein Problem durch Gefahrgüter auftreten kann.

Darüber hinaus versucht das System Anpassungen zu ermöglichen, damit der Gefahrgutversand mit NETVERSYS auf genau die Anforderungen zugeschnitten werden kann, die Ihr Unternehmen benötigt.