LOGENTIS Logistik Lexikon

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Collaborative Routing

Versandlogistik

Collaborative Routing: Verkehrs- und Transportrouten optimieren

Collaborative Routing (auch: kooperative Routenplanung) bezeichnet einen strategischen und technologischen Ansatz in der Logistik und Verkehrssteuerung, bei dem mehrere eigenständige Akteure Daten teilen, um Transportrouten gemeinsam zu optimieren. Das übergeordnete Ziel besteht darin, durch die Bündelung von Informationen und Ressourcen Effizienzgewinne zu erzielen, die ein einzelner Akteur isoliert nicht realisieren könnte.

Symbolgrafik für Collaborative Routing. Zwei Lkw transportieren Waren des Mitbewerbers, statt leer zu fahren.

Grafik: Erstellt mit KI

Collaborative Routing in der Transportlogistik

In der Transportlogistik basiert Collaborative Routing maßgeblich auf der horizontalen Kooperation. Dies beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, die auf derselben Wertschöpfungsstufe stehen und oft eigentlich im Wettbewerb zueinander stehen. Die Akteure teilen sensible Informationen wie aktuelle Fahrzeugpositionen, freie Ladekapazitäten, Routenpläne und Auftragsdaten über gemeinsame, meist cloudbasierte Plattformen.

Ein zentraler mathematischer Baustein ist hierbei das Vehicle Routing Problem (VRP) (Tourenplanungsproblem). Während klassische Algorithmen das VRP nur für die Flotte eines Unternehmens lösen, erweitert der kollaborative Ansatz das mathematische Modell auf ein firmenübergreifendes Netzwerk.

Dadurch lassen sich komplexe Transportketten so synchronisieren, dass unproduktive Leerfahrten minimiert und die Auslastung der Transportmittel maximiert werden. Ein typisches Szenario ist das „Matching“ von Hin- und Rückfahrten verschiedener Speditionen: Fährt Spedition A vollbeladen von Stadt X nach Stadt Y und leer zurück, während Spedition B die umgekehrte Route leer bedient, führt Collaborative Routing diese Bedarfe zusammen.

Die Praxis steht hierbei vor zwei großen Herausforderungen. Zum einen erfordert das System die Wahrung der Datensouveränität, also das Recht der Unternehmen, die Kontrolle darüber zu behalten, wer welche geschäftskritischen Daten einsehen darf. Dies wird zunehmend durch verschlüsselte Plattformen oder Blockchain-Technologien gelöst. Zum anderen erfordert der Ansatz mathematische Modelle für das sogenannte Gain Sharing – ein fairer, algorithmischer Schlüssel, der berechnet, wie die erzielten Kosteneinsparungen gerecht unter den Kooperationspartnern aufgeteilt werden.

Collaborative Routing und Smart Mobility

Im Bereich der Smart Mobility verschiebt sich der Fokus von der rein wirtschaftlichen Güterbewegung hin zur intelligenten Steuerung des Personen- und Gesamtverkehrs im urbanen Raum. Hier basiert Collaborative Routing auf der Vernetzung von Fahrzeugen untereinander (Vehicle-to-Vehicle, V2V) sowie mit der Verkehrsinfrastruktur (Vehicle-to-Infrastructure, V2I).

Im Gegensatz zu klassischen Navigationssystemen, die jedem Nutzer individuell dieselbe freie Ausweichroute vorschlagen und dadurch oft Folge-Engpässe erzeugen, agiert Collaborative Routing systemisch. Die Routenentscheidungen der einzelnen Fahrzeuge werden so miteinander koordiniert, dass der Verkehrsfluss vorausschauend auf das gesamte Straßennetz verteilt wird. Dadurch werden Staus aktiv verhindert, anstatt sie lediglich im Nachhinein zu umfahren.

Symbolgrafik Collaborative Routing in der Verkehrssteuerung

Grafik: Erstellt mit KI

Bedeutung der kooperative Routenplanung

Zusammenfassend wandelt Collaborative Routing die traditionell fragmentierte und egoistische Routenplanung in ein dynamisches, vernetztes Ökosystem um. Neben der reinen Kosten- und Zeitersparnis gilt das Konzept als ein zentraler Hebel für die grüne Logistik, da die Reduzierung von Leerfahrten und Stauzeiten den Kraftstoffverbrauch und die CO₂-Emissionen im Transportsektor direkt senkt.

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