LOGENTIS Logistik Lexikon

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Kanallager

Warehouse Management

Kanallager: Systematik und bauliche Besonderheiten

Das Kanallager ist eine Lagerart für hochverdichtete Lagerung. Sie zielt primär auf die Maximierung des Raumausnutzungsgrades ab. Im Gegensatz zum klassischen Palettenregal, bei dem jeder Lagerplatz direkt von einer Fahrgasse aus erreichbar ist, werden im Kanallager mehrere Ladeeinheiten hintereinander in Kanälen gelagert.

Diese Kanäle können eine Tiefe von zwei bis hin zu über dreißig Palettenplätzen aufweisen. Die physikalische Struktur wird durch Schienenprofile innerhalb der Regalkonstruktion definiert, auf denen die Lasten bewegt werden. In der modernen Logistik kommen hierbei fast ausschließlich automatisierte Kanalfahrzeuge, sogenannte Shuttles, zum Einsatz. Ein Beispiel für solche Kanalfahrzeuge ist der Satellit® von Westfalia Technologies. Durch die Schienenprofile werden Paletten mehrfach unterstützt, können nicht durchbiegen und verkanten. Die Technologie ermöglicht hohe Lagergenauigkeit bei gleichzeitig hoher Geschwindigkeit und verringert Störungen und Materialverschleiß.

Diese Kanalfahrzeuge sind batteriebetrieben oder werden per Seil bedient. In der Kühl- und Tiefkühllogistik haben seilbediente Satelliten® Vorteile, weil die Energieversorgung unabhängig von den niedrigen Temperaturen ist. Die Kapazität von Akkus ist bei Minustemperaturen geringer. Shuttle und Satelliten® fahren unter die Palette, heben sie an und transportieren sie innerhalb des Kanals zur Ein- oder Auslagerungsseite bzw. zum Regalbediengerät in der Lagergasse, das Lastaufnahmemittel und Ladeeinheit aufnimmt.

Grafik eines mehrfachtiefes Satellitenlagers®, einer Form des Kanallagers. Grafik: Westfalia Technologies GmbH & Co. KG

Mehrfachtiefes Satellitenlager®, eine Form des Kanallagers. Grafik: Westfalia Technologies GmbH & Co. KG

Strategische Einordnung des Kanallagers: LIFO versus FIFO

Ein entscheidendes Merkmal des Kanallagers ist die Festlegung auf eine spezifische Lagerstrategie. Einseitig bedienbare Kanallager setzen zwangsläufig auf das Last-In-First-Out-Prinzip (LIFO): denn die zuletzt eingelagerte Palette blockiert den Zugang zu den dahinterliegenden Einheiten. Dies ist ideal für Sortimente mit sehr hohen Beständen pro Artikelnummer oder mit hoher Sortenreinheit. Waren mit kritischem Verfallsdatum sind dank fortschrittlicher Algorithmen von Warehouse Management Systemen kein Problem mehr, im Gegenteil: Die Lebensmittelindustrie setzt vielfach auf das Prinzip der mehrfachtiefen Lagerung. Denn die Algorithmen sorgen durch gezielte Ein-, Um- und Auslagerungen dafür, dass die Lagertechnik pünktlich auf Waren entsprechend der mit ihnen verknüpften Attribute zugreifen und sie beispielsweise rechtzeitig für den Verkauf - auslagern kann.

Für das First-In-First-Out-Prinzip (FIFO) kann das Kanallager als Durchlauflager konzipiert sein. Hierbei wird auf der einen Seite des Kanals eingelagert und die Ware an der anderen, gegenüberligenden Seite des Kanals entnommen. Auch solche Systeme sind besonders in der Getränkeindustrie oder bei der Lagerung von Rohstoffen für die Lebensmittelproduktion verbreitet, wo große Mengen schnell und in der richtigen zeitlichen Abfolge umgeschlagen werden müssen. Das Just-in-Sequence-Prinzip wird aber auch für die mehrfachtiefe LIFO-Lagerung durch die Lagerverwaltungssoftware abgedeckt.

Wirtschaftlichkeit und technologische Trends von Kanallagern

Die Investition in ein Kanallager ist im Vergleich zum Breitganglager deutlich höher, amortisiert sich jedoch durch die drastische Reduzierung der benötigten Grundfläche sowie die bei hoher Lagerdichte geringeren Kühlung pro Palettenstellplatz und der damit verbundenen reduzierten Energiekosten für Beleuchtung und Kühlung.

Da weniger Fahrgassen benötigt werden, sinkt das Unfallrisiko durch Gabelstaplerbewegungen. Heute zeichnen sich diese Systeme zudem durch ein effizientes Energiemanagement aus: Die Regalbediengeräte und Shuttles nutzen regenerative Bremssysteme, die Energie aus Bremsvorgängen oder Fahrachsen speichern oder anderen Bewegungsachsen zur Verfügung stellen, um die Akkulaufzeit zu verlängern und den Energieverbrauch bzw. Verlust zu reduzieren.

Zudem ermöglicht die Integration in ein übergeordnetes Warehouse Management System (WMS) eine „atmende“ Lagerplatzoptimierung, bei der das System in lastarmen Zeiten die Paletten innerhalb der Kanäle selbstständig so umgruppiert, dass die Auslagerungsprozesse in den Spitzenzeiten beschleunigt werden. Damit ist das Kanallager eine tragende Säule der automatisierten, platzoptimierten Intralogistik.

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