Die Königsdisziplin der Beschaffungslogistik - Just-in-Sequence
Just-in-Sequence (JIS) ist eine Weiterentwicklung des Just-in-Time-Konzepts (JIT). Während bei JIT die Waren zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Menge geliefert werden, schreibt JIS zusätzlich die exakte Reihenfolge (Sequenz) vor, in der die Teile am Montageband benötigt werden.
Ein klassisches Beispiel ist die Automobilindustrie: Die Sitze für verschiedene Fahrzeuge (Leder, Stoff, unterschiedliche Farben) müssen genau in der Reihenfolge an der Produktionslinie eintreffen, in der die Autos über das Band laufen. Heute ist JIS der Standard für komplexe Modulmontagen, da es die Lagerhaltung am Band auf nahezu Null reduziert und maximale Variantenvielfalt ermöglicht.
Prozessstabilität und Informationsfluss bei Just in Sequence
JIS stellt extreme Anforderungen an die Kommunikation zwischen Hersteller und Lieferant. Das ERP-System des Herstellers sendet in Echtzeit „Call-offs“ an den Lieferanten, oft nur wenige Stunden vor der eigentlichen Verbauung. Der Lieferant muss die Teile in speziellen Sequenzbehältern so verpacken, dass der Werker am Band immer das oberste oder nächste Teil greifen kann, ohne suchen zu müssen.
Ein Fehler in der Sequenz (z. B. ein roter Sitz statt eines schwarzen) kann im schlimmsten Fall zum Stillstand des gesamten Werks führen. Daher sind JIS-Prozesse durch mehrfache elektronische Kontrollen (Pick-by-Light, Scannung) und oft auch durch eine physische Nähe der Lieferanten zum Werk (Supplier Parks) abgesichert.
Automatische Pufferlager können Lagerkapazitäten und Just-in-Sequence aber auch direkt an einer Produktionslinie mit minimalen Materialwegen realisieren und die Abhängigkeit zu Lieferanten und von Preisschwankungen verringern.
Grafik: Erstellt mit KI
Just-in-Sequence: Risiken und technologische Absicherung
Die Vorteile von JIS – minimale Bestände, hohe Flexibilität und geringe Handlingkosten – werden durch ein hohes Risiko erkauft. Staus, Unfälle oder Produktionsstörungen beim Lieferanten wirken sich sofort auf den Hersteller aus. Heute nutzen Unternehmen daher KI-gestützte Monitoring-Systeme, die die Anfahrt der JIS-Lkw in Echtzeit überwachen und bei drohenden Verzögerungen sofort Alarm schlagen.
Zudem wird verstärkt an „virtuellen Sequenzen“ gearbeitet, bei denen autonome Roboter im Werk die Feinsequenzierung übernehmen, um die Abhängigkeit vom exakten Anlieferzeitpunkt etwas zu lockern. JIS bleibt jedoch die effizienteste Methode, um die Komplexität moderner, individualisierter Massenproduktion logistisch zu beherrschen.



