Grafik: Generiert mit KI
Neue EU-Ökodesign-Verordnung: Was das für Ihre Retouren bedeutet
Für das Jahr 2025 (Rückblick/Prognose-Stand April 2026) haben sich im Bereich Retouren neue Höchstwerte in Deutschland und weltweit manifestiert. Nach aktuellen Erhebungen der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg sowie Branchenberichten von Business Punk und Savills ergeben sich für 2025 folgende Eckdaten:
- Gesamtzahl der Pakete (DE): In Deutschland wurden im Jahr 2025 rund 550 Millionen Retourenpakete verschickt – ein neuer Rekordwert (Vorjahr: 530 Mio.). Quelle: Business Punk / Uni Bamberg
- Retourenquote: Fast jedes vierte online bestellte Paket (ca. 25 %) geht in Deutschland zurück. In der Modebranche liegt die Quote oft sogar bei über 40 bis 50 %. Quelle: Uni Bamberg
- Globaler Warenwert: Weltweit wird der Wert der retournierten Waren für 2025 auf ca. 1 Billion US-Dollar geschätzt. Quelle: Savills Deutschland
- Kosten pro Retoure: Für Händler schlägt eine einzelne Rücksendung im Schnitt mit 5 bis 10 Euro zu Buche, bei komplexen Artikeln sogar bis zu 20 Euro. Quelle: EHI Retail Institute
Darum vernichten Unternehmen Retouren
Auch, wenn es nicht in das Nachhaltigkeitsbild von Unternehmen passt: Die Realität ist noch, dass Retouren aus verschiedenen Gründen vernichtet werden, statt sie wieder aufzubereiten und erneut zu günstigeren Preisen zu verkaufen. Statistischen Auswertungen zufolge (Stand 2025/2026) ist die Vernichtung von Retouren in Deutschland ein beständiges, wenn auch prozentual oft überschätztes Phänomen.
In Deutschland werden laut der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg rund 3,9 % bis 4 % aller Retourenartikel direkt entsorgt oder vernichtet. Bei den für 2025 hochgerechneten 550 Millionen Retourenpaketen entspricht dies einer Menge von etwa 20 Millionen Artikeln pro Jahr, die im Müll landen.
Im Gegensatz dazu werden ca. 93 % der retournierten Waren als Neuware direkt oder über Outlets wieder in den Kreislauf gebracht, eine bereits beachtliche Wiederverkaufsquote.
Quelle: Universität Bamberg – Retourentacho 2025 sowie das Bundesumweltministerium (BMUKN).
Gründe für die Vernichtung von Retouren
Dass Waren vernichtet werden, liegt meist an rechtlichen und wirtschaftlichen Hürden, hat aber auch mit Unrentabilität aufgrund der geringen Qualität von Artikeln zu tun.
Defekte und Unverkäuflichkeit (ca. 50–60 %)
Mehr als die Hälfte der entsorgten Artikel sind schlichtweg kaputt, verschmutzt oder können aus hygienischen Gründen (z. B. Kosmetik, Unterwäsche) nicht wieder aufbereitet werden.
Steuerliche Barrieren (Umsatzsteuer)
Spenden sind für Unternehmen oft teurer als Vernichtung. Auf Sachspenden muss in Deutschland häufig Umsatzsteuer gezahlt werden, während die Entsorgung steuerlich als Verlust abgeschrieben werden kann.
Vorgaben von Markeninhabern
Rund 1 Million Artikel werden jährlich vernichtet, weil Luxusmarken oder Patentinhaber den Wiederverkauf als B-Ware untersagen, um ihr exklusives Markenimage zu schützen.
Wirtschaftliche Unrentabilität
Die Kosten für die manuelle Prüfung, Reinigung und Neuverpackung („Refurbishment“) übersteigen bei Billigartikeln (Fast Fashion) oft den Restwert des Produkts.
Quelle: idw / Studie Uni Bamberg zu Hintergründen der Entsorgung.
ESPR: Die Ökodesign-Verordnung der EU
Die ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) ist das neue Herzstück der EU-Kreislaufwirtschaft. Sie ersetzt die alte Ökodesign-Richtlinie und weitet die Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft massiv aus.
Kerninhalte der ESPR:
- Produkt-Nachhaltigkeit: Waren müssen so designt werden, dass sie langlebiger, reparierbarer und leichter recycelbar sind.
- Vernichtungsverbot: Ab dem 19. Juli 2026 ist es großen Unternehmen verboten, unverkaufte Textilien und Schuhe zu vernichten.
- Digitaler Produktpass (DPP): Produkte erhalten einen digitalen Ausweis, der Infos zu Herkunft, Materialien und Reparierbarkeit für Verbraucher und Recycler speichert.
- Transparenzpflichten: Unternehmen müssen offenlegen, wie viele unverkaufte Produkte sie entsorgen und warum.
Was bedeutet die ESPR für Unternehmen?
Große Unternehmen müssen künftig nicht nur die Vernichtung von Textilien und Schuhen einstellen (Verbot ab Mitte 2026), sondern auch jährlich öffentlich darüber Bericht erstatten, wie viele Waren sie entsorgt haben und warum. Dies erhöht den Druck, Retouren durch bessere Beratung (KI-Größenberater) zu vermeiden oder effiziente Spendenwege zu finden. Die Herausforderungen betreffen verschiedene Aspekte:
- Umdenken im Design: Produkte müssen "Circular by Design" sein. Das bedeutet höhere Entwicklungskosten, aber bessere Marktchancen.
- Logistik-Druck: Retouren und Überhänge dürfen nicht mehr einfach entsorgt werden. Unternehmen müssen funktionierende Zweitmarkt-Strategien (Refurbished, Spenden, Second-Hand) aufbauen.
- Datenmanagement: Der Digitale Produktpass zwingt Firmen dazu, ihre gesamte Lieferkette lückenlos digital abzubilden.
- Sanktionsrisiko: Bei Nichteinhaltung drohen empfindliche Bußgelder und Verkaufsverbote auf dem EU-Markt.
Anforderung an die Intralogistik: Transparenz und optimales Retourenmanagement
Retouren sind damit spätestens ab Juli kein reines Logistikproblem mehr - gerade in Branchen wie Textilien, in denen beispielsweise Fast Fashion auf Kosten eines hohen Müllaufkommens und Ressourcenverbrauchs produziert und distribuiert werden. Sie werden zu einer Frage der Compliance und Kreislaufwirtschaft. Die gute Nachricht: Wer seine Lagerlogistik entsprechend digitalisiert und auf ein zügiges, komfortables Retourenmanagement ausrichtet, ist für die Anforderungen der ESPR gut aufgestellt und sorgt für ein gutes Image unter Kunden, denen Nachhaltigkeit wichtig ist.
Unser Warehouse Management System NETSTORSYS verfügt über ein leistungsfähiges Retourenmanagement, das es ermöglicht, Warenrücksendungen fehlerfrei, zügig und kostensparend abzuwickeln. Die digitalisierte, genaue Bestandsführung schafft außerdem vollständige Transparenz im Lager und ermöglicht es, jederzeit Auskunft über den eigenen Warenbestand zu geben.
Mit den zahlreichen Services der an unsere Multicarrier-Software NETVERSYS angebundenen Carrier lassen sich Sendungen wirtschaftlich bündeln und ökologisch klug versenden, beispielsweise über den DHL Service GoGreen Plus




