Das Bestellrhythmusverfahren (auch als t, S- oder t, q-Politik bezeichnet) ist ein zeitgesteuertes Verfahren der Lagerhaltung und Beschaffungslogistik, bei dem Nachbestellungen in festgelegten, regelmäßigen Zeitabständen erfolgen. Im Gegensatz zu Systemen mit kontinuierlicher Bestandsüberwachung wird das Lager hier nur zu definierten Prüfterminen betrachtet – beispielsweise jeden Montag oder am ersten Arbeitstag eines Monats. An diesem Stichtag ermittelt die Disposition den aktuellen Bestand und löst die Nachbestellung aus.
Wie das Bestellrhythmusverfahren in der Praxis funktioniert
Bei der am häufigsten genutzten Variante mit variabler Bestellmenge (t, S-Politik) vergleicht das System am Kontrolltag den tatsächlichen Lagerbestand plus die bereits bestellte Ware mit einem festgelegten Soll-Bestand. Die zu bestellende Menge entspricht exakt der Differenz, die nötig ist, um das Lager wieder auf das Soll-Niveau aufzufüllen.
Bei der Variante mit fester Bestellmenge (t, q-Politik) wird hingegen an jedem Stichtag stets eine gleichbleibende Menge geordert. Da der Verbrauch zwischen den Prüfterminen schwankt, verändern sich bei der Soll-Bestands-Variante die Bestellmengen von Periode zu Periode, während der Zeitabstand immer konstant bleibt.
Grafik: Generiert mit KI
Unterschied zwischen Bestellrhythmusverfahren und Bestellpunktverfahren
Das Bestellrhythmusverfahren unterscheidet sich grundlegend vom mengenorientierten Bestellpunktverfahren. Beim Bestellpunktverfahren wird der Lagerbestand fortlaufend überwacht. Sobald ein kritischer Schwellenwert (der Meldebestand) unterschritten wird, löst das System sofort eine Bestellung aus – unabhängig vom Kalendertag.
Das Rhythmusverfahren verzichtet auf diese permanente Überwachung und reduziert dadurch den administrativen Aufwand deutlich. Allerdings erfordert es einen höheren Sicherheitsbestand, da unerwartete Nachfragespitzen innerhalb eines Prüfintervalls erst am folgenden Stichtag bemerkt und korrigiert werden können.
Vor- und Nachteile der rhythmischen Beschaffung
Der zentrale Vorteil des Bestellrhythmusverfahrens liegt in der hohen Planbarkeit für Einkauf, Wareneingang und Lieferanten. Durch fixe Liefertage lassen sich Bestellungen verschiedener Artikel bei demselben Lieferanten problemlos bündeln. Das senkt Frachtkosten und ermöglicht Mengenrabatte.
Als Nachteil gilt das erhöhte Risiko von Lieferengpässen bei unvorhersehbarem Mehrverbrauch. Zudem entstehen kurzfristig hohe Kapazitätsbelastungen im Wareneingang, wenn an den Stichtagen große Warenmengen gleichzeitig eintreffen.
Für welche Artikel sich das Bestellrhythmusverfahren besonders lohnt
Das Verfahren wird bevorzugt für Güter eingesetzt, die einen sehr gleichmäßigen und gut prognostizierbaren Verbrauch aufweisen. Ebenso eignet es sich hervorragend für C-Teile mit geringem Einzelwert, bei denen eine aufwendige Dauerüberwachung unwirtschaftlich wäre. Auch wenn Lieferanten feste Anlieferintervalle vorgeben oder Frachtkosten durch Sammelbestellungen minimiert werden sollen, ist das Bestellrhythmusverfahren die bevorzugte Wahl.



