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Identifizierung in Warehouse- und Transportprozessen

Identifizierung in Warehouse- und Transportprozessen

Die Identifizierung von verschiedensten Gütern und Sendungen innerhalb der Supply-Chain ist ein elementarer Bestandteil der Logistik. Wir möchten an dieser Stelle einmal die gängigen Marktstandards der GS1 für die Bereiche Logistik und Transport beleuchten und deren Einsatz erläutern. Die Implementierung der Standards obliegt in der Regel den Independent Software Vendors (ISV) der Logistik-Softwarebranche, wobei jedoch auch Eigenentwicklungen von Unternehmen mit Logistikanforderungen von der Benutzung der Standards profitieren können.

Wer steht hinter GS1 ?

Die GS1 (Global Standards 1) ist eine weltweite Organisation, bestehend aus 120 nationalen Mitgliedsorganisationen. Die GS1 hat sich aus dem Uniform Code Council entwickelt und ist Hauptreiber des EAN Standards. Das Executive Board setzt sich aus den größten Mitgliedern der GS1 zusammen und besteht aus Abgesandten von Firmen wie Coca-Cola, Target Corporation, Wall-Mart, Amazon und vielen weiteren. Obwohl keine Non-Profit Organisation, ist sie jedoch maßgeblich mitgliedergetrieben und hat als primäres Hauptziel Standards für verschiedene Retail- und Logistikprozesse zu definieren und etablieren.

In Deutschland hat die GS1-Germany ihren Sitz in Köln und ist für nationale Unternehmen Ansprechpartner für die Beantragung von Global Location Nummern und vieles mehr.

Die Global Location Number (GLN)

GLN ist die Abkürzung für Global Location Number (dt.: globale Lokationsnummer). Sie dient zur globalen, eindeutigen und überschneidungsfreien Identifikation von juristischen Personen und physischen Lokationen. Unter physischen Lokationen versteht man konkrete Adressen, aber auch einzelne Gebäude, Lagerräume oder Laderampen eines bestimmten Unternehmens oder Behörde. Zusätzlich kann die GLN zur eindeutigen Identifikation von Teilnehmern im Rahmen des Austausches von elektronischen Nachrichten (EDI) dienen.

Kleine und mittlere Unternehmen besitzen in der Regel eine einzelne GLN. Unternehmen mit vielen Niederlassungen werden mehrere GLNs im Portfolio haben, um den Bedarf an SSCC, GTIN oder weiteren Barcodes zu decken. Anstelle des Begriffs GLN hört man heute auch noch oft die alte Bezeichnung ILN (International Location Number).

Die GLN ist eine 13-stellige Nummer und besteht aus einer Basisnummer, einem Lokationsbezug sowie einer Prüfziffer. Die folgende Abbildung zeigt den strukturellen Aufbau der drei möglichen GLN Varianten.

Global Location Number

Aus der GLN selbst kann nicht direkt auf das Unternehmen geschlossen werden, zu dem die GLN gehört. Das heißt, man kann aus den 13 Ziffern keinen direkten Rückschluss daraus ziehen, zu wem die GLN gehört. Um herauszufinden zu wem eine GLN gehört, kann man die Verzeichnisdienste der einzelnen GS1 Organisationen benutzen. Die GS1 Verzeichnisdienste werden als GEPIR (Global Electronic Party Information Register) bezeichnet.

Identifizierung von Artikeln und Dienstleistungen

Die GS1 hat den EAN Barcode (heute als GTIN - Global Trade Item Number - bekannt) weltweit bekannt gemacht. Diese Nummer identifiziert Produkte einer Firma weltweit eindeutig. Die Eindeutigkeit von Artikeln spielte damals wie heute eine wichtige Rolle, was beim Bezahlprozess eines Einkaufs in einem Supermarkt offensichtlich wird. Auch wenn die Artikelidentifizierung nicht direkt eine logistische Domäne ist, so ist dieser Standard doch so prägend, dass eine Erwähnung notwendig ist. Die GTIN, sowie auch andere im Dokument vorgestellte Identifizierer, basieren immer auf der Basisnummer (Unternehmensnummer) der GLN und ergänzen diese entsprechend.

Die GTIN gibt es in verschiedenen Varianten (GTIN-8, GTIN-12, GTIN-13 und GTIN-14). Die Längen sind dabei unterschiedlich, wie man an der Bezeichnung erkennen kann. Die am häufigsten am Markt anzutreffenden Varianten sind hier GTIN-12 (vormals UPC, EAN-12) und GTIN-13 (vormals EAN-13). Die folgende Abbildung erklärt, wie ein Unternehmen mit einer vorhanden GLN (Basis 7) ein neues Produkt, z.B. ein neues Shampoo, mittels einer GTIN-13 eindeutig kennzeichnen kann.

Global Trade Item Number

Das Unternehmen hat die Artikel-ID (88888) innerhalb der GTIN selbst vergeben. Der Rest ist durch die GLN und dem Prüfzifferalgorithmus vorgegeben. Das ERP System sollte dem Unternehmen helfen, diese Nummern, basierend auf der hinterlegten GLN, zu generieren. Die fertige Identifizierungsnummer 4012345888881 kann nun via Barcodes des Typ EAN-13 auf die Shampoo Flaschen gedruckt werden und ist weltweit eindeutig.

Global Trade Item Number

Identifizierung von logistischen Gütern

In der Supply-Chain ist die Identifizierung von Gütern ein wichtiges Merkmal. Mit Gütern sind jedoch hier explizit nicht die zum Verkauf stehenden Güter gemeint, denn diese werden, wie oben beschrieben, mit der GTIN identifiziert. Logistische Güter werden unterschieden in Ladehilfsgüter, die einem Kreislauf angehören und irgendwann zurückkommen (Paletten, Bierkisten, Container, Rollwagen) und Güter, die zum Inventar der Firma gehören und am Standort verbleiben (Computer, Kommissionierwagen, Drucker, Fördertechnik-Wannen).

Für die Güter im Kreislauf hat die GS1 den GRAI (Global Returnable Asset Identifier) Standard. Für Güter, die in einer Lokation verbleiben den GIAI (Global Individual Asset Identifier).

Der GRAI wird wie folgt gebildet: Wie bei allen GS1 Identifizierern wird die GRAI mit Hilfe der GLN Basisnummer gebildet. Zusätzlich bleiben Stellen für den Typ des Gebindes, bzw. Containers. Eine Palette könnte z.B. vom Typ 1 sein. Im nachfolgenden Beispiel wird ein GRAI mit Gebindetyp 18 gebildet. Die Vergabe der Typen-IDs liegt in der Hand des Unternehmens. Die Anzahl der möglichen Typen richtet sich wie immer nach der Länge der Basisnummer im GLN. Der optionale Teil hinter der Prüfziffer, die Seriennummer, wird benötigt, wenn man z.B. eine konkrete Palette bestimmen und identifzieren möchte. Die Länge der Seriennummer kann maximal 16 Stellen betragen. Hier sollte man jedoch beachten, das die Maximallänge für 1D Barcodes nicht zwingend sinnvoll ist.

Global Trade Item Number

Nachdem nun also mit dem GRAI Güter markiert werden können, die sich in einem Kreislauf befinden, in dem mehrere Unternehmen eine Rolle spielen, ist der GIAI für Inventar innerhalb eines Unternehmens relevant. Der Aufbau ähnelt dem GRAI, jedoch gibt es keine Prüfziffer und statt einer optionalen Seriennummer gibt es eine mandatorische "individuelle Asset Nummer". Diese wird vom Unternehmen vergeben und identifiziert genau ein bestimmtes Asset, wie z.B. den Kommissionierwagen der Mitarbeiterin Frau Müller. Der GIAI darf maximal 30 Stellen haben. Abhängig von der Basisnummer der GLN, ergibt sich die maximale Länge der Asset-Nummer.

Global Trade Item Number

Identifizierung von Sendungen

Die Nummer der Versandeinheit (NVE, engl. Serial Shipping Container Code - SSCC) ermöglicht es, Sendungen vom Versender zum Empfänger zu verfolgen. Eine besondere Bedeutung kommt dieser Nummer im Kontext der Versandlogistik zu. Leider unterstützt nicht jeder Carrier die Nutzung eigener SSCC Nummernkreise, sodass oftmals auch andere Nummernkreise zum Einsatz kommen müssen. Der Syntax des SSCC enthält das gleiche Muster wie andere Identifizierer vorher. Die folgende Grafik veranschaulicht eine Sendungsnummer, die aus vielen Einsen besteht und die daraus folgende SSCC, wenn sie aus verschiedenen GLN-Typen generiert wird.

Global Trade Item Number

Die GS1 bietet außerdem noch weitere Ebenen über einer Sendungsnummer an, um z.B. auf Shipments einzugehen, die aus mehreren Sendungen bestehen können. Die GSIN (Global Shipment Identification Number) bildet genau diese darüberliegende Ebene ab. Als letzte Gruppierung, welche verschiedene Shipments zusammenfasst, dient die GINC (Global Identification Number for Consignment). Sie kann mehrere GSINs umfassen. Als Beispiel sei die Seefracht genannt. Hier werden mehrere Shipments (z.B. Container, die wiederrum aus vielen einzelnen Paketen bestehen) zu einer Schiffsladung zusammengefasst. Der Auftrag für die Schiffsladung könnte dann eine GINC bekommen. Auf die Darstellung der beiden Nummernkreise wird in dem Blog verzichtet.

** Barcodierung der GS1 Nummernsysteme **

Die Barcodierung der vorgestellten Systeme ist je nach Anwendungsfall und je nach Nummernkreis unterschiedlich und kann nicht vergallgemeinert werden. Besonders im Bereich GTIN gibt es vieles zu beachten, um "abwärtskompatibel" zu bestehenden Kassensystemen zu sein. So würde eine 1:1 Barcodierung eines 13-stelligen GTINs ein anderer Barcode sein als ein EAN-13 Barcode, obwohl ja die GTIN der Nachfolger der EAN ist. Hier wird also klar unterschieden zwischen Barcodierung und Nutzung eines Nummernkreises. Auch die möglichen Barcodetypen variieren je nach Kennzeichner. Eine allgemeine Regel ist jedoch, dass GS1 Barcodes einen Application-Identifier (AI), der 2-4 stellig ist, als ersten Datenblock haben sollte, um so den Barcodetyp selbst zu ermitteln. Viele GS1 Standards haben so einen ähnlichen Aufbau (z.B. GRAI ohne Seriennummer und GIAI), dass es systemisch schwierig ist diese zu unterscheiden, ohne einen Application Identifier voranzustellen. Der Vorteil von Standards ist jedoch, dass es für alles definierte Regeln gibt und diese einfach nachgeschlagen werden können.

Zusammenfassung

Die hier gezeigten Standards der GS1 sind die relevanten im Transport- und Logistikbereich. Für andere Branchen gibt es noch deutlich mehr Standards, die außerhalb des Kontexts dieses Blog- Beitrags sind. Ob in den jeweiligen IT Systemen auf Standards der GS1 gesetzt wird oder nicht, hängt natürlich von den Herstellern von Softwaresystemen aus den Bereichen Versandlogistik, Warehousing oder Supply-Chain-Management ab. Ein Warehouse Management System muss nicht zwingend seine Kommissionierwagen mit einem GIAI Nummernkreis verwalten. Die Vorteile bei der Nutzung von Standards liegen jedoch auf der Hand. Das Thema Barcodes ist sehr eng verwandt mit den hier genannten Identifizierern und Nummernkreisen. Die sichere Barcodierung von Daten und die Handhabung von Barcodes generell sind ein relevanter Teil der gesamten Performance in der Logistik.

Falls Sie weitere Fragen zum Thema "Nutzen von Standards" oder "Barcodes in logistischen Prozessen" haben, so sprechen Sie uns gerne an.

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