Ein Warehouse Deal bezeichnet den Wiederverkauf von Produkten durch einen (Online-)Händler, die nicht mehr als „Neuware“ klassifiziert werden können, aber dennoch voll funktionsfähig sind. In der Regel handelt es sich dabei um Kundenretouren, Vorführgeräte oder Waren, deren Originalverpackung beim Transport oder im Lager beschädigt wurde.
Der Begriff wurde maßgeblich durch den Online-Versandhändler Amazon geprägt, wird jedoch mittlerweile branchenübergreifend für ähnliche Abverkaufsmodelle von Rückläufern verwendet.
Kategorisierung und Zustand bei Warehouse Deals
Da die Artikel bereits ausgepackt oder kurzzeitig in Gebrauch waren, durchlaufen sie einen Prüfprozess. Die Einstufung erfolgt meist in standardisierte Zustandskategorien:
- Wie neu: Der Artikel ist technisch einwandfrei, die Verpackung kann jedoch Gebrauchsspuren aufweisen oder wurde ersetzt.
- Sehr gut: Minimale optische Mängel (z. B. kleine Kratzer) sind möglich; das Zubehör ist vollständig.
- Gut: Sichtbare Gebrauchsspuren oder kleinere kosmetische Beschädigungen; eventuell fehlen nicht-kritische Zubehörteile.
- Akzeptabel: Deutliche Gebrauchsspuren, die Funktion ist jedoch weiterhin gegeben.
Logistische Aspekte und Kostenstrukturen von Warehouse Deals
Aus betriebswirtschaftlicher und logistischer Sicht sind Warehouse Deals ein Instrument des Bestandsmanagements und der Reverse Logistics (Rückwärtslogistik). Die Entscheidung, einen Artikel als Warehouse Deal anzubieten, ist das Ergebnis einer komplexen Kosten-Nutzen-Rechnung.
Reverse Logistics (Rückführkosten)
Die Rücksendung eines Artikels durch einen Kunden löst hohe Kosten aus. Dazu gehören:
- Transportkosten: Porto für die Rücksendung.
- Handling: Annahme, Identifikation und Zuordnung der Ware im Logistikzentrum.
- Sichtung und Prüfung: Fachpersonal muss den Zustand prüfen, Daten löschen (bei Elektronik) und die Funktionsfähigkeit testen. Dieser Prozess ist personalintensiv und teuer.
Lager- und Opportunitätskosten bei Warehouse Deals
Ein retournierter Artikel, der nicht sofort wiederverkauft werden kann, blockiert wertvollen Lagerplatz. Da die Umschlagshäufigkeit bei Einzelstücken (Retouren) geringer ist als bei Palettenware, steigen die relativen Lagerkosten. Warehouse Deals dienen dazu, diese Kapitalbindung schnellstmöglich aufzulösen.
Entsorgung vs. Wiederverkauf
Händler stehen oft vor der Wahl: Wiederaufbereitung (Refurbishment), Rückführung an den Hersteller, Entsorgung oder Abverkauf als Warehouse Deal.
- Die Entsorgung ist zwar logistisch oft am einfachsten, aber ökologisch bedenklich und ökonomisch ein Totalverlust des Warenwerts.
- Der Warehouse Deal ermöglicht es, zumindest einen Teil der ursprünglichen Marge zu retten oder den Verlust auf die reinen Prozesskosten zu begrenzen.
Rechtliche und wirtschaftliche Einordnung des Warehouse Deals
Wirtschaftlich gesehen ist der Warehouse Deal für den Händler eine Form der Schadensbegrenzung. Durch den Preisnachlass wird ein Anreiz für Käufer geschaffen, die Mängel in Kauf zu nehmen.
Rechtlich gelten für den Käufer in der Regel dieselben Bedingungen wie beim Kauf von Neuware, insbesondere das gesetzliche Widerrufsrecht. Die Gewährleistungsfrist kann bei gebrauchten Gütern unter bestimmten Voraussetzungen verkürzt werden. Das variiert bei Warehouse Deals jedoch je nach Händler (oft bleibt die volle Frist erhalten, um das Vertrauen zu stärken).
Vor- und Nachteile von Warehouse Deals für Händler
Für Händler bieten Warehouse Deals vor allem den Vorteil, sogenannte Lagerleichen effektiv zu reduzieren und einen Teil des gebundenen Kapitals zeitnah zurückzugewinnen. Zudem kann das Unternehmen durch den Wiederverkauf statt der Entsorgung von Retouren sein Image in Bezug auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung stärken.
Auf der anderen Seite stehen jedoch erhebliche Herausforderungen: Der manuelle Prüfaufwand für jedes Einzelstück ist personell sehr intensiv, es besteht ein Restrisiko für Fehlbewertungen des Warenzustands und die gesamte Logistikkette wird durch diese zusätzlichen, nicht-standardisierten Prozesse deutlich komplexer.
Das Retourenmanagement moderner Lagerverwaltungssoftware wie NETSTORSYS beschleunigt und erleichtert die effektive Bearbeitung von Retouren.
Vor- und Nachteile von Warehouse Deals für Käufer
Aus Sicht der Käufer liegt der primäre Vorteil in einem spürbaren Preisvorteil gegenüber der Neuware bei gleichzeitiger Garantie der vollen technischen Funktionalität und den gewohnt schnellen Lieferzeiten.
Demgegenüber müssen Kunden jedoch bereit sein, gewisse Kompromisse einzugehen. Dazu gehört insbesondere das Risiko optischer Mängel am Produkt sowie die Wahrscheinlichkeit, dass die Originalverpackung bereits beschädigt ist oder durch eine neutrale Umverpackung ersetzt wurde. Auch das Fehlen von nicht-kritischem Zubehör kann im Einzelfall eine Herausforderung darstellen.



